Ich finde Filme, Witze, Stücke, in denen Nazis vorkommen nicht lustig. Niemals. Außer bei diesem Stück.

Gestern war ich beim Sommertheater der Cammerspiele in Leipzig. Und ich war skeptisch – nicht nur wegen der Wetterlage. Denn das Theaterstück spielt 1939 und sollte eine Kömödie, eine Satire sein. Und wenn ich für eines wenig Verständnis habe, so sind es Nazi-Witze oder lustige Nazi-Filme oder sonst irgendwelche lustigen Darbietungen, in denen Nazis auftauchen.

Die erste positive Überraschung war die Location. Das Sommertheater wird veranstaltet von der Kulturwerkstatt KAOS in der Wasserturmstraße, direkt am See. Entschuldigt bitte die schlechte Qualität der Fotos – meine Handykamera ist nicht die Beste und auch das nieselige Wetter war zum Fotografieren nicht optimal.

Als Zuschauer sitzt man mit Blick auf den kleinen See, der direkt hinter der Bühne liegt.

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Das Stück handelt von einer polnischen Theatergruppe, die eine Hitler-Satire probt, die dann aber nicht zur Aufführung kommt, weil Deutschland in Polen einmarschiert. Durch einen Spion hereingelegt, gelangen die Namen der polnischen Untergrundbewegung in die Hände der Nationalsozialisten. Durch das ursprünglich geplante Stück und das schauspielerische Talent der Akteure, gelingt es der Theatergruppe jedoch, ihren Kopf und den der anderen Untergrundkämpfer aus der Schlinge zu ziehen.

Was sich jetzt etwas nach Slapstick anhört, war in Wirklichkeit eine sehr sensible Inszenierung einer Geschichte, die dem Zuschauer in Sekundenbruchteilen zunächst herzhaftes Lachen und direkt danach betretenen Respekt abverlangt hat. Jeder Darsteller für sich war sowohl mit humoristischen, als auch mit tragischen Elementen ausgestattet, die je nach Szene zum Einsatz kamen und von den Schauspielern hervorragend umgesetzt wurden. Sei es die Freude darüber, endlich auch mal eine Sprechrolle ergattert zu haben (siehe unteres Foto ganz links) oder die Bestürzung über den Judenhass, vorgetragen von dem selben Charakter in Form des Monologs aus Shakespears “Der Kaufmann von Venedig”: “Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften?”.

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Die schmale Linie zwischen Witz und Respektlosigkeit wurde nicht einmal überschritten. Da kann man nur sagen: Toll gemacht!

Vorstellungen gibt es heute und morgen noch um 19.30 Uhr. Mehr Informationen gibt es hier.

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