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Ôe, Kenzaburô – Therapiestation: Roman aus der nahen Zukunft

Die Rückkehrer wollten eine neue Gesellschaft aufbauen. Aber die Versager hatten unverschämterweise überlebt.

 

Kurzkritik

Auch Japaner, aber völlig anders als Haruki Murakami. Die Sprache ist eher anspruchsvoll. 1990 veröffentlicht, 1995 übersetzt, 224 Seiten. Absolut lesenswert.

Kurze Inhaltsangabe

Wir befinden uns im Jahr 20**. Die Ressourcen der Erde gehen zu Ende, Atomkriege haben die Erde verseucht. Eine Gruppe »Auserwählter« wird in einer gewaltigen Raumflotte zur Rettung der Menschheit entsandt. Nach Jahren kehren sie zurück und stellen fest, dass die »Zurückgebliebenen« nicht nur überlebt, sondern sogar mit dem Wiederaufbau begonnen haben – sehr zum Missfallen der »Auserwählten«.

Buchbeschreibung

Die Regierungen der Erde wählen eine Million der herausragendsten Menschen der gesamten Erde aus, damit diese auf einem fremden Planeten eine neue, eine bessere Zivilisation aufbauen. Die restlichen Milliarden arbeiten über einen langen Zeitraum ausschließlich dafür, den »großen Aufbruch« für die »Erwählten« möglich zu machen. Als die »Erwählten« schließlich abgereist sind, müssen sich die »Zurückgebliebenen«, die allgemein als Versager angesehen werden, durch die »großen Wirren« kämpfen, bevor sie schließlich wieder eine gewisse Ordnung hergestellt haben. Auf dem neuen Planeten haben die Entsandten mit äußerst widrigen Bedingungen zu kämpfen. Dies gelingt ihnen zunächst mithilfe sogenannter »Therapiestationen«. Das sind Gebäude, von denen keiner weiß, woher sie kommen oder wer sie erschaffen hat. In diese Gebäude sind Schlafnischen integriert. Legt man sich dort hinein, so regeneriert und verjüngt sich der Körper – ein Kind ersteht sogar von den Toten auf. Der Besuch dieser Therapiestationen auf der Neuen Erde wird als Pflicht eingeführt, wodurch es zur Abspaltung zehntausender »Erwählter« kommt, denen diese Einrichtungen nicht geheuer sind. Als die Besiedlung der »Neuen Erde« aufgrund der Unwirtlichkeit des Planeten fehlschlägt und die »Erwählten« wieder zur alten Erde zurückkehren, werden diese sogenannten Rebellen aus eigenem Wunsch heraus zurückgelassen.

Der Verjüngungseffekt hält auch nach der Rückkehr zur alten Erde an, wodurch die »Erwählten« gegen die grassierenden Krankheiten immun sind. Aus diesen verbesserten Menschen soll nun auf der alten Erde eine neue Gesellschaftsschicht und schließlich Gesellschaft entstehen. Anders als von den Regierenden erwartet, kommt es jedoch zu Protestbewegungen der Dagebliebenen, die sich die Führung nicht wieder einfach so aus der Hand nehmen lassen wollen. Die Regierungen hatten nicht mit Widerstand gerechnet, da sie davon ausgegangen waren, der Großteil der Dagebliebenen wäre inzwischen verstorben. Aufgrund des unmoralischen Vorgehens der Führungsriege der Rückkehrer, schlagen sich in diesem Kampf auch »Erwählte« auf die Seite der Zurückgebliebenen. Im Mittelpunkt steht hier die Liebesgeschichte zwischen einer Versagerin und einem »Erwählten«. Das Buch endet mit einem Blick auf die Zurückgebliebene, die ein Kind erwartet.

Persönliches Urteil

Die Geschichte bietet einen sehr interessanter Blickwinkel, den ich in der Science Fiction Literatur so bisher nicht gelesen habe. Die moralischen Schwierigkeiten, sowohl die »Erwählten« als auch die Zurückgebliebenen betreffend, machen die Geschichte spannend und lesenswert. Der Ton ist eher trocken und emotionslos, was meiner Meinung nach gut zur gefühlskalten Unmoral passt. Das Recht Weniger über Viele zu bestimmen, steht im Mittelpunkt der Geschichte und ist immer aktuell. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte noch mehr Potential gehabt. Die einzelnen Figuren und die Beziehungen untereinander könnten mehr Tiefe vertragen. Auch die verschiedenen Stationen der Geschichte hätte ich mir detailreicher gewünscht. Aber es gibt Schlimmeres als sich nach Lesen eines Buchs zu denken, »ich hätte gerne mehr gewusst«. Und langweilig war es beim Lesen keine Sekunde, was sicher auch an der Kürze und dem prägnanten Schreibstil des Autors lag. Daher: Absolut lesenswert.

Über den Autor

Wikipedia: Kenzaburō Ōe (* 31. Januar 1935 in Ōse (heute: Uchiko), Präfektur Ehime) ist ein japanischer Schriftsteller. In seinem Heimatland zählt er zu den wichtigsten Schriftstellern seiner Generation. Er erhielt 1994 den Nobelpreis für Literatur.

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