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Selbstverständlich ist der Deutsche Buchpreis auch ein Marketingpreis. Na und?

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen. Mit dem Preis soll, laut Homepage zum Deutschen Buchpreis, »jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse der beste Roman des Jahres in deutscher Sprache«ausgezeichnet werden. Heute wurde die Shortlist veröffentlicht. Mit dabei sind: Mirko Bonné, Reinhard Jirgl, Clemens Meyer, Terézia Mora, Marion Poschmann und Monika Zeiner.

Man hört ja immer wieder bedauernde Äußerungen über das Wegsterben der kleinen Buchhandlungen. Und zwar von allen Seiten, von Lesern wie von Autoren. Gleichzeitig wurde gerade von Letzteren der Deutsche Buchpreis in den letzten Jahren massiv kritisiert. Der Preis sei überhaupt kein Buchpreis, sondern ein Marketingpreis. Da drängten sich mir die Fragen auf: Erstens, ist das tatsächlich so? Und zweitens, selbst wenn, was ist schlimm daran Bücher zu vermarkten – vor allem auch im Hinblick auf das viel bedauerte Buchhandlungssterben.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, fragte ich bei Leipziger Buchhandlungen nach, wie diese den Deutschen Buchpreis sehen.

Die Frage, ob der Buchpreis seinem Anspruch (Auszeichnung des besten Romans des Jahres in deutscher Sprache) gerecht wird, führte in den letzten Jahren schon zu einiger Diskussion. Der Vorwurf, nicht das beste Buch, sondern das Buch mit Potential zum Besteller würde prämiert, wurde laut. Darüber können Daniela Jakob und Nicola Geldmacher, Lehmanns Media GmbH, nur lachen und verweisen auf die Buchpreissieger 2012 Ursula Krechel und 2010 Melinda Nadj Abonji. Diesen Werken hätte wohl im Vorfeld des Buchpreises niemand Beststellerpotential zugestanden. Auch ich kann diesem Vorwurf nicht ganz folgen, wenn ich an den ersten Buchpreissieger Arno Geiger »Es geht uns gut« zurückdenke. Ansgar Weber von der Buchhandlung Seitenblick in Leipzig warnt zwar durchaus vor dem »Trend zum mainstreamfähigen Buch». Betont jedoch, dass dieser sich mitnichten immer durchsetze.

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Eindeutig sind die Reaktionen auf den von der deutschen Schriftstellerin Monika Maron vorgebrachten Kritikpunkt, es sei egal, ob die Shortlist akzeptabel sei oder nicht, weil dieser Preis kein Buchpreis, sondern ein Marketingpreis sei. Die Leipziger Buchhändler finden das »bigott«, also scheinheilig. Vielleicht deswegen, weil auch einem Schriftsteller daran gelegen ist, sein Werk zu verkaufen und es deshalb seltsam erscheint, wenn er sich negativ zu verkaufsfördernden Maßnahmen äußert. Vielleicht auch deswegen, weil der Marketingeffekt des Deutschen Buchpreises bereits in der Anspruchsformulierung des Börsenvereins untergebracht und deshalb nicht nur kein Geheimnis, sondern erklärtes Ziel ist: »[..]über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch.« Einer der schärfsten Kritiker des Deutschen Buchpreises, der österreichisch-deutsche Schriftsteller Daniel Kehlmann, schaffte es 2005 übrigens mit seinem Roman »Die Vermessung der Welt« selbst unter die Finalisten.

Natürlich ist es nicht nur im Interesse der Schriftsteller und der Verlage, Bücher zu verkaufen, sondern auch im Interesse der Buchhändler. Doch das ist offenbar in manchen Kreisen verpönt. So sagte 2008 Daniel Kehlmann, »Größter Gewinner des Buchpreises sind die großen Buchhandelsketten«. Laut meiner Umfrage, profitieren aber offenbar nicht nur große Buchhandelsketten von der Marketingwirkung des Deutschen Buchpreises, sondern auch kleinere Buchhandlungen. Und gerade die, sollen ja gestärkt werden. Auch der Vorwurf »die Fokussierung auf die Long- & Shortlist habe zur Folge, dass die dort nicht aufgenommenen Bücher kaum noch in den Zeitungen besprochen würden« wird scharf zurückgewiesen. Die Vielzahl täglich rezensierter Bücher übersteigt demnach bei weitem die auf der Longlist verzeichneten zwanzig Bücher. In der deutschen Medienlandschaft gibt es offenbar genug Kapazitäten, um auch nicht für den Buchpreis nominierte Werke im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse zu rezensieren.

Ich persönlich denke, dass es vollkommen natürlich und der Sache inhärent ist, dass sowohl Longlist als auch Shortlist des Deutschen Buchpreises jedes Jahr zu Diskussionen führen. Darum geht es ja schließlich, um die Diskussion über Literatur. Was gibt es Neues, was ist gut, was ist schlecht, wer bewertet das? Literatur ist Kunst und Kunst ist nun einmal Geschmackssache. Darüber diskutiert werden darf und muss also. So wird Qualität gewährleistet. Ich denke, behält man Ansgar Webers Warnung vor dem Trend zum mainstreamfähigen Buch im Ohr, laufen wir in Deutschland keine Gefahr, zu wenig qualitativ hochwertige Literatur zu schaffen. Da sich der Buchpreis inzwischen auch unter Viellesern und sogar Weniglesern einen Namen gemacht hat, steigt die Chance, dass die hochwertige Literatur auch Kunden erreicht und nicht in den Regalen hinter Shades of Grey und dem neuen Tom Clancy Buch versauert. Bücher, auch und vor allem hochwertige Literatur, müssen allerdings auch verkauft werden.

Und ich finde, die Diskussion, ob Werbung für Literatur unwürdig ist, könnte man sich langsam echt mal sparen. Findet ihr das auch? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Ich möchte mich bei den Leipziger Buchhandlungen für die interessanten Antworten bedanken. Insbesondere bei Daniela Jakob und Nicola Geldmacher, Lehmanns Media GmbH, Ansgar Weber von der Buchhandlung Seitenblick und bei Mirjam Berle, Unternehmenssprecherin Thalia.

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