Marcel Reich-Ranicki ist tot: Mein Leben – unbedingt lesen!

Heute ist der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki im Alter von 93 Jahren gestorben.

Geboren wurde Reich-Ranicki am 2. Juni 1920 in Włocławek, Polen, und galt als der einflussreichste Literaturkritiker der Gegenwart. Immer umstritten, aber auch immer bewundert.

Reich-Ranicki-Mein-LebenSein Leben war alles andere als einfach. 1938 konnte er noch sein Abitur machen. Sein Antrag auf Immatrikulation an der Universität wurde am 23. April 1938 wegen seiner jüdischen Abstammung jedoch abgelehnt. Er wurde nach Polen ausgewiesen, wo er trotz Arbeitslosigkeit und Tragödien seine zukünftige Frau Teofila Langnas kennenlernte, mit der bis zu ihrem Tod 2011 verheiratet war. 1940 wurden sie zur Umsiedlung ins Warschauer Ghetto gezwungen, aus dem sie mit viel Glück während einer Umsieldungsaktion fliehen konnten. In der Folge versteckten sie sich bis Ende des Krieges. Nach weiteren Stationen fand er schließlich in den 60er zur Literatur. Ab August 1958 arbeitete er als Literaturkritiker im Feuilleton der FAZ. Mitglieder der Gruppe 47, Siegfried Lenz und Wolfgang Koeppen, halfen ihm unter anderem, indem sie ihn ihre Bücher rezensieren ließen (vgl. Wikipedia).

Doch wer könnte all dies besser erzählen, als er selbst. Und das hat er auch getan, in seiner 2003 veröffentlichten Autobiographie »Mein Leben«. Reich-Ranicki war immer umstritten. Sowohl seine Meinungen, als auch sein Auftreten und sein menschlicher Umgang polarisierten und er machte sich damit viele zum Feind. So ging es auch mir – bevor ich seine Autobiographie gelesen hatte. Gemocht habe ich ihn deswegen nicht unbedingt mehr, aber seitdem respektierte ich ihn sehr viel mehr. Er war arrogant – aber er hatte sich seine Arroganz verdient. Unbedingt lesen!

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