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Schon wieder ein boxender Schriftsteller mit Schreibblockade?

titelbildAls ich anfing »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« von dem Schweizer Schriftsteller Joël Dicker zu lesen, war mein erster Gedanke: kleines Dorf in Amerika, junger Schriftsteller mit Schreibblockade, der von einem Literaturprofessor unter seine Fittiche genommen wird – sowohl was das Schreiben als auch was Boxen angeht -, welcher ein unangebrachtes Verhältnis mit einer sehr viel jüngeren Frau hat – woher kenne ich diese Geschichte?

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Nach ca. 50 Seiten folgte dann der Weg zum Bücherregal, auf der Suche nach einem Buch, in dem ich diese Geschichte schon einmal gelesen hatte. Eine halbe Stunde später wurde ich fündig: »Der menschliche Makel«, Philip Roth.

Ich legte Roths Buch zur Seite und beschloss, erst einmal Dickers Roman fertig zu lesen, um mir dann ein genaues Urteil bilden zu können. Wie sich herausstellte, entwickelt sich »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« in eine andere Richtung als »Der menschliche Makel« – aber die Irritation blieb.

Inhalt

Wie schon gesagt, handelt das Buch von einem jungen Schriftsteller, dessen Debutroman eingeschlagen hat und der nun von seinem Verleger unter Druck gesetzt wird, seinen zweiten Roman zu schreiben. Versagensängste führen zu einer Schreibblockade. Der Jungschriftsteller, Marcus Goldman, beschließt, sich an seinen früheren Professor und Box-Mentor, Harry Quebert, zu wenden. Dieser lädt ihn zu sich nach Aurora, New Hampshire, ein und verspricht ihm zu helfen. Es kommt jedoch alles anders als gedacht. Einige Zeit später wird die Leiche eines jungen Mädchens in Harrys Garten entdeckt und der angesehene Schriftsteller und Literaturprofessor festgenommen. Es stellt sich heraus, dass Harry im Alter von 30 Jahren ein Verhältnis mit der 15-jährigen Nola Kellergan hatte – deren Leiche es ist. Und nicht nur das: Der Roman, mit dem Harry bekannt geworden ist, erzählt auch noch die Liebesgeschichte zwischen ihm und Nola. Das Originalmanuskript liegt neben der Leiche. Die Beweislast ist erdrückend. Marcus setzt nun alles daran, die Unschuld seines in Ungnade gestürzten Freundes zu beweisen. Dabei macht er überraschende Entdeckungen, die ihn selbst in Gefahr bringen. Seine Ergebnisse fasst er in einem Buch mit dem Titel »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« zusammen und überwindet so auch seine Schreibblockade.

Kritik

Zunächst ist da die starke Irritation aufgrund der anfänglichen Ähnlichkeit mit »Der menschliche Makel«. Die Geschichte entwickelt sich dann allerdings in eine andere Richtung als Roths Buch. Der Autor hat einige überraschende Wendungen eingebaut und damit viel Fantasie bewiesen. Das deutet darauf hin, dass er durchaus auch in der Lage gewesen wäre, sich ein eigenes Setting auszudenken. Es ist zudem sein eigener zweiter Roman – wenn er also über die Probleme von Marcus Goldman schreibt, so kann er sicherlich auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen – diese Authentizität merkt man den Beschreibungen an. Das ist mal gut und mal weniger gut. Hin- und wieder wünschte ich mir beim Lesen, ich würde das erfolgreiche Buch von Harry Quebert und der darin enthaltenen Geschichte einer wahren Liebe lesen, anstatt Dickers Buch. Aber der Ideenreichtum des Romans hat mich dann schnell auch wieder zur eigentlichen Geschichte zurückfinden lassen.

Trotz meiner Kritikpunkte muss ich sagen, lässt sich das Buch sehr gut und sehr leicht lesen. Der Roman ist spannend geschrieben und die überraschenden Wendungen halten den Leser am Ball. Das Buch ist nicht umsonst ein Bestseller.

Ich freue mich über eure Kommentare!

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