Mirko Bonné: Nie wieder Nacht

 
Cover

Die Erzählfarbe dieses Buchs ist eindeutig grau. Die Geschichte ist nicht durchgängig deprimierend, hat durchaus humorvolle Stellen und endet sogar positiv. Aber die Grundstimmung ist zu Beginn trüb und dieses Trübe lichtet sich auch nicht am Ende des Buchs. Der Roman ist Bonnés Versuch, die Sinnsuche zu beschreiben, die gerade heute viele Menschen erfasst, die Großeltern-, die Eltern- und die Kindergeneration – jeder ist auf der Suche. Und entgegen aller Glückwunschkartensprüche lächelt das Leben nicht immer zurück, auch wenn man selbst noch so grinst. Leben, Familie, Liebe sind hochkomplex, keiner ist frei von Schuld und manchmal braucht es einfach Zeit. Mein Lieblingszitat aus dem Buch lautet: »Der Tag ist nur die halbe Wahrheit«.

Ein Mann in den Dreißigern, Markus Lee, nimmt seinen Neffen Jesse mit auf eine Reise in die Normandie. Markus ist Zeichner und soll für eine Kunstzeitschrift Brücken skizzieren, die bei der Landung der Alliierten im Sommer 1944 eine entscheidende Rolle spielten. Jesse trifft sich in Frankreich mit seinem besten Freund und dessen Familie, um ein verlassenes Hotel zu hüten. Prekär an der ganzen Sache ist der erst kurz zurückliegende Selbstmord von Jesses Mutter. Was als einwöchiger Aufenthalt geplant war, entwickelt sich für Markus zu einer monatelangen Auszeit. Nach Jesses Abreise mit der befreundeten Familie verliert sich Markus immer mehr in der Vergangenheit, sowohl geschichtlich gesehen als auch in seiner eigenen. Was die beiden Geschichten miteinander verbindet lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Schuld und Trauer. Trauer über die vielen toten jungen Kriegshelden und Schuld der auslösenden Kriegsnation anzugehören. Trauer um die tote Schwester und Schuld aufgrund inzestuöser Verstrickungen. Trauer über die eigene Plan- und Hilflosigkeit und Schuld wegen enttäuschter Erwartungen.

Kritik

Die ruhige Erzählweise lassen den Roman zunächst harmloser erscheinen, als er ist. Doch überraschende Wendungen und schonungslose Ehrlichkeit enttarnen die vorgeschobene Ruhe nach kurzer Zeit und die dann auftretende Spannung hält bis zum Schluss. Mit seinem Roman schaffte Miko Bonné es auf die diesjährige Shortlist des Deutschen Buchpreises. Auch ein Sieg wäre gerechtfertigt gewesen. Für mich Anreiz genug weitere Bücher von ihm zu lesen.

Ich freue mich über eure Kommentare zu diesem Buch und zu weiteren Büchern, die ihr von Bonné gelesen habt!

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