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Pieter Webeling: Das Lachen und der Tod

Ich stehe hier im Schlafanzug vor Ihnen. Witziger kann es kaum werden.
Das Lachen und der Tod
Pieter Webeling: Das Lachen und der Tod. Karl Blessing Verlag

Kurzhandlung

Der Roman handelt von dem jüdischen Komiker Ernst Hoffmann. Der aus den Niederlanden stammende Künstler wird 1944 in einem Viehwaggon in ein deutsches Vernichtungslager in Polen transportiert. Im Verlauf seiner dortigen Gefangenschaft muntert er zunächst Lagerinsassen mit seinen Späßen auf. Die Lagerführung erfährt bald von seinem Talent und bietet ihm und seiner Freundin Helena eine Besserbehandlung an, wenn er sich bereiterklärt vor den Nazis aufzutreten.

Kritik

Der Journalist Pieter Webeling hat in vielen Zeitzeugeninterviews das Thema und das Material für seinen zweiten Roman gesammelt, wodurch ihm eine authentische und glaubwürdige Darstellung des KZ-Alltags gelungen ist. Der ungewöhnliche Blickwinkel unter dem er das Schicksal der Lagerinsassen betrachtet, unterscheidet diesen Roman von den vielen anderen Büchern, die sich mit diesem Thema befassen. Er verwendet den Humor sowohl, um den einen oder anderen Witz einzustreuen als auch, um das Tragische und Traurige zu betonen.

Allerdings erschien mir der Roman beim Lesen nicht ganz ausgereift. Der Autor hat auf der einen Seite versucht darzustellen, dass auch Menschen, die sich in Todesgefahr befinden und die großem Leid ausgesetzt sind, für Humor empfänglich sein können. In diesem Fall versucht er den Humor als Stütze, als Hoffnung zu beschreiben. Auf der anderen Seite versucht er die moralischen Verstrickungen darzustellen, in die der Komiker gerät. Zusätzlich ist es dem Autor ein Anliegen den KZ-Alltag zu beschreiben und eine Liebesgeschichte darf für ihn auch nicht fehlen. Ich bin zwar ein Fan davon Bücher so kurz zu halten wie möglich – in diesem Fall jedoch ist es etwas zu kurz geraten, bzw. die Erzählstränge waren zu zahlreich. Die knapp 320 Seiten reichen weder aus, um das Grundthema Tod und Humor ausreichend darzustellen, noch um ein ausreichendes Gefühl für den KZ-Alltag zu vermitteln, oder um die Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und seiner Helena glaubhaft darzustellen – geschweige denn dem Thema Moral gerecht zu werden. Auch die Sprache ist an einigen Stellen holprig – was natürlich auch an der Übersetzung aus dem Niederländischen liegen kann – wahrscheinlicher jedoch im ursprünglichen Text begründet liegt. Mehr Schreibfehler als üblich unterstreichen das Gefühl, dieser Roman sei etwas überhastet herausgegeben worden. Schade.

Nichtsdestotrotz:

Der Blickwinkel ist außergewöhnlich und die Geschichte, soweit sie zum Tragen kommt, gut erzählt. Die interessante Verbindung zwischen Humor und Tod und die damit einhergehende Menschlichkeit machen den Roman zu einem interessanten Leseerlebnis.

Wie findet ihr den Ansatz einen Komiker über Konzentrationslager berichten zu lassen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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