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“Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki”, Haruki Murakami

Farblos – das trifft den Kern leider ganz gut

So langsam komme ich mir vor wie eine Meckerziege. Deswegen erst einmal was Positives. Die Buch- und Umschlaggestaltung sind ganz toll! Seht mal: Das eigentliche Buch ist in schwarz-weiß gehalten. Der Umschlag jedoch ist transparent und mit farblichen Schmetterlingsflügeln bedruckt. Sieht wirklich schön aus und ist mal was anderes. Wobei die Idee selbst auch nicht ganz neu ist – wie die Leute von japanliteratur.net bereits festgestellt haben.

Umschlag halb Umschlag getrennt

Mein Name ist Anne und ich bin ein Murakami-Fan. Eigentlich.

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: Ich bin ein Fan. Meine Murakami-Karriere begann 2005 mit dem Roman »Afterdark«. In den folgenden Jahren habe ich alle Romane von ihm gelesen und ich war immer begeistert. Protagonist ist stets ein japanischer Junggeselle in seinen 30ern, der ein geregeltes, wenn auch langweiliges, Leben führt und plötzlich durch verschiedenartige Umstände in surreale Situationen gerät, aus denen er am Ende gestärkt und um einiges weiser wieder hervorgeht. Trotz des gleichen Settings schaffte Murakami es bisher immer, jeden seiner Romane zu einem neuen Leseerlebnis zu machen. Von Langeweile keine Spur.

Meine Murakami-Bibliothek zu Hause

Bücherregal

Das lässt sich leider über den neusten Roman nicht sagen. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen hätte, wenn es meine erste Murakami-Erfahrung gewesen wäre. Da ich jedoch nahezu grenzenloses Vertrauen in den Autor hatte, war ich mir sicher, dass es spätestens auf der nächsten Seite besser wird. Aber das geschah nicht.

Was ist nun genau das Problem bei dem Roman?

Es geht um Tsukuru Tazaki – einen jungen Japaner, dessen Beruf es ist Bahnhöfe zu bauen. Dieser hat Probleme persönliche Bindungen aufzubauen, da er in seiner Jugend für ihn völlig überraschend und ohne Erklärung aus seinem Freundeskreis ausgeschlossen wurde. Als er nun eine junge Frau kennenlernt, ermutigt diese ihn, seine ehemaligen Freunde aufzusuchen und herauszufinden, was damals geschehen ist. Für mich war es zunächst einmal völlig unbegreiflich, wieso Tazaki 16 Jahre lang wartet, um die Situation zu klären. Das hängt damit zusammen, dass es Murakami dieses Mal nicht gelang, mich in die Gefühlswelt des Protagonisten hineinzuziehen. Seine Motive, seine Gefühlswelt und seine Denkweise werden nicht ausreichend und nicht facettenreich genug dargestellt, um eine Identifikation mit der Hauptfigur herbeizuführen. Gespickt ist die Geschichte mit angedeuteten Neben-Erzählsträngen, die allerdings im Sand verlaufen.

Fazit

Insgesamt ist der Roman uninspiriert und erinnert an den vierten Teil eines ehemals erfolgreichen Films, der nur gedreht wurde, um Gewinn zu machen. Der Roman und seine Figuren sind ebenso farblos wie der Hardcovereinband ohne den bunten Schutzumschlag. Wurde ich bei Murakamis bisherigen Büchern unwillkürlich in den Sumpf der Geschichte hineingezogen, so verbannte der neue Roman mich beim Lesen eher auf die leicht gelangweilte Ersatzbank. Möglicherweise wäre meine Kritik nicht so harsch ausgefallen, wenn nicht ausgerechnet Murakami der Autor wäre. Irgendwie bin ich beinahe persönlich enttäuscht – so als Fan. Bin ich immer noch ein Fan? Natürlich. Und dieses Interview, das am 16. Januar 2014 in »Die Zeit« erschienen ist, vermittelt ein Gefühl darüber, wieso.

Wie oben erwähnt, fühle ich mich wie Meckerlieschen. Ich würde ja ganz gerne mal wieder einen Roman lesen, den ich in den Himmel loben kann. Habt ihr Tipps für mich?

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