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»Halb so wild«, David Baddiel

Gelacht habe ich beim Lesen nicht viel, obwohl der Autor Komiker ist. Folgender witzige Dialog ist mir allerdings doch im Gedächtnis geblieben und gehört zu meinen Lieblingsstellen:

»Hast du noch eine Überraschung auf Lager? Kinder vielleicht?« »Scheiße nein. Ein Kind, das ist doch, wie wenn man einen Besoffenen am Hals hat – das Hinfallen, das unverständliche Geflenne, das noch unverständlichere Gekicher, das Umsichschlagen, das Geschrei. Aber alles so, dass man sich nicht einfach verdrücken kann.«

CoverWorum geht es?

Eli Gold – der größte lebende Schriftsteller, liegt im Sterben. Seine vierte Frau Freda und seine jüngste Tochter Colette verbringen die meiste Zeit am Krankenbett des Komapatienten. Akribisch überwacht die Ehefrau, wer den großen Mann besuchen darf, Philip Roth und Bill Clinton dürfen natürlich – Harvey Gold, Elis Sohn aus einer der vorherigen Ehen darf auch – aber nur unter Zähneknirschen. Er ist das Einzige von Elis Kindern aus vorigen Ehen, das sich die Mühe macht, den sterbenden Vater zu besuchen: Ein depressiver Autor von Prominentenbiographien, der in England mit Frau und Sohn mit Aspergersyndrom lebt und Angst davor hat, seine Frau nicht mehr lieben zu können, sobald sie ein bestimmtes Alter erreicht hat und ihre Schönheit schwindet. Selbst im mittleren Alter und nicht gerade in bester körperlicher und psychischer Verfassung ist er bei Frauen stets auf der Suche nach dem Optimum, nach dem Zeitpunkt, an dem sie den Gipfel ihrer Schönheit erreicht haben – ist dieser überschritten, verliert er das Interesse, dem er ohnehin nur von der Beobachtungswarte aus nachgegeben hat. Bei einer Feministin, die das Verlassenwordensein von Eli Gold bis zum Schluss nicht verkraftet hat, aufgewachsen, hat er ein schwieriges bis gar kein Verhältnis zu seinem Übervater, der die Familie zurückgelassen hat, als er noch keine zehn Jahre alt war. Harvey ist jedoch nicht der einzige, der Probleme mit seiner Beziehung zu dem Großschriftsteller hat – da gibt es auch noch einen früheren Schwager, einen Mormomen, der den Selbstmord seiner Schwester gerächt sehen will und Elis allererste Frau Violet, die im Pflegeheim von der gesundheitlichen Situation ihres Exmannes erfährt und ihre Ehe bruchstückhaft Revue passieren lässt.

Deutlich mehr Pros als Cons

Der Roman ist aus vier verschiedenen Blickwinkeln geschrieben: Colettes, Harveys, Violets und  dem von Elis Exschwager. Diese Perspektivenwechsel, gefüllt mit den jeweiligen Problemen der Protagonisten, machen den Roman zu einem sehr abwechslungsreichen Leseerlebnis. Die außergewöhlichen Umstände erhalten die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Jede Figur hat Ziele, die sie erreichen möchte. Das Lesen geht so sehr leicht von der Hand, da man immer wissen möchte, wie es weitergeht und ob die einzelnen Personen ihre Ziele erreichen. Die einzige Person, mit der ich nicht richtig warm geworden bin, ist die achtjährige Colette – was nicht an der Figur an für sich, sondern mehr an der Sprache lag, die nicht zu einem achtjährigen Mädchen passt. Daran kann auch die mehrfache Betonung der besonderen Reife des Mädchens nichts ändern.  Sie wirkt einfach nicht authentisch.

Fazit

Ein absolut empfehlenswertes Buch, auf dessen 544 Seiten keine Langeweile aufkommt. Die Themen Ruhm, Egoismus, Liebe, Familie, Schönheit und Depressionen werden auf eine ungewöhnliche Art dargestellt, die den Roman zu einer echten Erfahrung macht. Meinem Empfinden nach hätte das teilweise Happy End am Schluss nicht sein müssen, aber das tut  David Baddiels viertem Roman keinen Abbruch.

Habt ihr das Buch schon gelesen oder kennt ihr andere Werke von Baddiel?

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