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»Jung, anspruchsvoll, gedruckt« – Der Leipziger Birnbaum Verlag: Gründer Oliver Weidlich im Gespräch

Trotz aller Prognosen und Schwarzmalerei, gibt es immer wieder Mutige, die in der Buchbranche etwas bewegen, etwas verändern wollen. So ein mutiger Jemand ist Oliver Weidlich. Er hat 2010 in Leipzig einen Verlag gegründet: Den Birnbaum Verlag. Ich habe mit ihm Kontakt aufgenommen und gefragt, was das Besondere an seinem Verlag ist, inwiefern er sich von den großen Verlagshäusern unterscheidet und, ob er seinen eigenen Ansprüchen seit Verlagsgründung gerecht werden konnte.

birnbaum_oliver_weidlich_01Oliver Weidlich, Gründer des Birnbaum Verlags. Quelle: Birnbaum Verlag

Sie haben den Birnbaum Verlag 2010 gegründet mit der Zielsetzung »abseits von den internationalen Medienhäusern, Bestsellerlisten und riesigen Werbe und PR-Etats einen Markt für gut ausgewählte Literatur« zu finden und zu bedienen. Wie lautet vier Jahre später Ihr Fazit – haben Sie diesen Markt so vorgefunden, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Jein. Wir haben viele Ideen aus der Gründungszeit umsetzen können, mussten aber auch selber viel dazu lernen. Es gibt definitiv einen Markt für gute Literatur. Dem gegenüber steht aber ein, zumindest teilweise, recht eingefahrener Literaturbetrieb.

Sie äußerten sich einmal folgendermaßen: »Autoren sind Künstler, genau wie Maler und Bildhauer.« Was heißt das für Ihre tägliche Arbeit – wie unterscheidet sich Ihr Umgang mit den Autoren von dem der großen Verlagshäuser?

In erster Linie entstehen unsere Bücher in einem sehr engen Dialog mit den Autoren. Was mich bei dem (großen) Verlag störte, bei dem ich vor der Gründung des Birnbaum Verlags gearbeitet habe, war die Tatsache dass die Autoren die Texte beim Verlag abgaben und dann nicht wirklich an der Produktion des Buches, zum Beispiel an der Covergestaltung und der Titelwahl, beteiligt waren. Mir ist sehr wichtig dass unsere Autoren am Ende der Produktion genauso zufrieden mit ihrem Buch sind wie der Verlag. Schließlich schreiben die Autoren die Texte und nicht wir.

Mit welchen drei Stichworten würden Sie den Verlag beschreiben?

Jung, anspruchsvoll, gedruckt.

Wie finden Sie Autoren und wie viele Autoren schreiben derzeit für den Verlag?

Es gibt verschiedenen Wege, wie wir Autoren finden. Unseren ersten Autor, Martin Spieß, kannte ich aus meiner Zeit als Redakteur bei einem Jugendmagazin. Er hatte mir von seinem Buch erzählt und deswegen haben ich ihn in der Gründungsphase des Verlages einfach angeschrieben. Andere Autoren sind durch Kontakte von uns entstanden, wir bekommen aber auch viele Bewerbungen von Autoren. Da ist allerdings selten etwas Gutes dabei. Wir gehen auch auf Lesungen und schauen natürlich auch beim Deutschen Literatur Institut nach potentiellen neuen Autoren für uns. Derzeit gibt es 6 Birnbaum Autoren.

Können Sie das Gefühl beschreiben, das sie erfasst, wenn Sie ein wirklich gutes Manuskript lesen?

Das ist sehr schwer zu beschreiben. Ich denke jeder Leser kennt das Gefühl, wenn er ein wirklich gutes Buch liest. Dieses Kribbeln, gepaart mit dem Bedürfnis weiterlesen zu wollen. Das macht eigentlich keinen Unterschied, ob es sich um ein fertiges Buch oder ein Manuskript handelt. Leider kommt es viel häufiger vor das wir schlechte Manuskripte lesen müssen.

Wie funktioniert bei Ihnen – abseits riesiger Werbe- und PR-Etats – das Marketing/ die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – wie betreiben Sie Buchwerbung?

Natürlich betreiben wir auch PR-Arbeit. Wir sprechen Literaturredakteure auf unsere Veröffentlichungen an, wir produzieren Videos mit unseren Autoren und sind auch bei Facebook aktiv und schalten auch Anzeigen. Nur eben nicht in FAZ, Bahnhöfen und auf der Amazonstartseite.

Was dürfen wir vom Birnbaum Verlag 2014 erwarten?

Neue, großartige Bücher. Wir haben im Frühjahr ein Buch veröffentlicht, welches, sehr abstrahiert, das Wesen von autoritären Systemen und Diktaturen ergründet. Das spannende daran ist, dass unser Autor Konrad Fischer dieses Buch bereits vor über 40 Jahren in der DDR begonnen hat zu schreiben. Außerdem werden wir dieses Jahr noch ein Buch veröffentlichen, welches auf völlig neue Art und Weise erzählt. Aber darüber erzähle ich Ihnen gern mehr, sobald es erscheint.

In Leipzig bin ich noch immer auf der Suche nach einem tollen Buchcafé. Vielleicht haben Sie ja einen Tipp für mich und andere Suchende – Haben Sie persönlich in Leipzig ein Lieblings-Buchcafé?

Ich kann “Kapitaldruck” in der Feinkost sehr empfehlen.  Der dortige Buchhändler rät seinen Kunden auch gern mal von einem schlechten Buch ab, kann auch bei noch so unpräzisen Leserbeschreibungen passende Bücher zum Verschenken finden und kann auch noch ziemlich guten Kaffee zubereiten.

Vielen Dank für das nette Gespräch, Herr Weidlich.

Kennt ihr junge Verleger aus eurer Stadt, über die ihr gerne in einem Interview mehr erfahren würdet? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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