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Habt ihr eine Vorstellung von tatsächlicher Armut? Helen Forrester schon.

»Armut bezeichnet primär mangelnde Befriedigung von Grundbedürfnissen wie Kleidung, Nahrung, Wohnung, Gesundheit«, so die nüchterne Beschreibung auf Wikipedia. Wer eine nicht nüchterne Beschreibung lesen möchte, der sollte die vierbändige Autobiographie in Romanform von Helen Forrester lesen.
Cover
Twopence to Cross the Mersey/ Liverpool Miss/ By The Waters Of Liverpool/ Lime Street At Two

 

Es geht hierbei nicht um Afrika, nicht um Kriegsflüchtlinge und nicht um Armut mangels Bildung. Helen Forrester wuchs zu Zeiten der großen Depression in Liverpool auf – bevor die Beatles hier auftauchten und lange bevor die Hafenstadt zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Nach dem Bankrott des Vaters zieht die Familie in seine Heimatstadt Liverpool, in der irrsinnigen Hoffnung, dort einen Job zu bekommen. Die Familie, das hieß Vater, Mutter, Helen und sechs jüngere Geschwister – das jüngste Kind gerade erst geboren. Die Eltern, vorher schon über ihre Verhältnisse lebend, sind mit der plötzlichen Mittellosigkeit vollkommen überfordert. Es fehlt an dem Notwendigsten: Essen, Wärme, Seife, Bettdecken – von Betten ganz zu schweigen.

»God, how I had minded the dirt! How terrified  I had been!«

Damit beide Elternteile arbeiten gehen können, werden Helen die Kinder- und Haushaltsbetreuung aufoktruiert. Schule ist für die anfangs 11-Jährige jahrelang kein Thema – trotz allgemeiner Schulpflicht und immerwährendem Drängen von Seiten Helens. Mit den Jahren erkämpft sich Helen das recht zur Abendschule zu gehen und nimmt einen Job an – ab da kann sie Geld zur Haushaltsführung beisteuern  und sich selbst mit dem Nötigsten versorgen. Das verschwenderische und ihrer Meinung nach verantwortungslose Verhalten ihrer Eltern, hält die Familie jedoch am Existenzminimum.

Eindrucksvoll und erschreckend beschreibt Helen Forrester die Situation in Liverpool, vor allem aber die überall herrschende Armut, die körperlichen und psychischen Auswirkungen von dauerndem Hunger, Kälte und mangelnder Hygiene. Schon einige Jahrzehnte her, so erscheinen die Bücher doch brandaktuell. Der Blick auf Flüchtlinge aller Art, die auch in Deutschland, zusammengepfercht, hungrig, kalt und ohne Hoffnung leben müssen, wird geschärft.

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